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© Daniela Busam

Klarinettist Sebastian Borsch (3. v.l.) und das Sonar-Quartett mit Susanne Zapf (erste Geige), Gregor Dierck (Violine), Nikolaus Schlierf (Bratsche) und Cosima Gerhardt (Cello) im SWR-Funkturm.

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Presse





Sphärische Klänge im Sendeturm

Tonarten-Festival Sasbachwalden: Sonar-Streichquartett bot Streizug durch die Musikgeschichte

Das Konzert des Berliner Sonar-Streich-Quartetts im SWR-Funkturm auf der Hornisgrinde eröffnete einen bundesweit einzigartigen Spielort. Die Organisatoren des Sasbachwaldener Tonarten-Festivals hatten den richtigen Riecher. Alle, Besucher und Ensemble, waren am Ende hellauf begeistert.


Autor: Wolfgang Winter


07.08.2007 - Hornisgrinde. Die Hamburger Kammermusiker Michael Balke und Gregor Dierck machten sich vor zwei Jahren auf die Suche nach einem außergewöhnlichen Spielort. So holte Sasbachs Bürgermeister Valentin Doll das erste Tonarten-Festival nach Sasbachwalden - und riet den Initiatoren, den SWR-Funkturm in Betracht zu ziehen.

Der damalige Senderleiter, Michael Neubert, der den Turm über zwei Jahrzehnte betreute, bot spontan seine Unterstützung an. Aus Gründen der Betriebssicherheit veranlasste er eine Generalinspektion, »dass da oben nichts wackelt, oder etwa ein von der Witterung gelockertes Schräubchen nach unten saust«. Außerdem ließ er 50 Meter über den Köpfen der Besucher ein stabiles Netz spannen. Das grünlich leuchtende Netz beeinträchtigte die Optik keineswegs. Manche sahen darin ein mächtiges Auge, andere eine Sonne, der Fantasie der Beobachter waren keine Grenzen gesetzt. Irgendwo darüber brummte und heulte der Wind im Turm, ein Geräusch, das jedoch während der Musikstücke zu verstummen schien.

Endlose Seufzer

Im abgedunkelten, finsteren Raum spielte Klarinettist Sebastian Borsch den um 1140 von Hildegard von Bingen vertonten Psalm »Auctori vite psalmis«. Die Töne seines Instruments schienen Flügel zu bekommen und umwehten die Besucher als einen endlos in die Länge gezogenen Seufzer andachtsvoller Seligkeit. Das höchst abwechslungsreich zusammengestellte Programm bot einen in der Moderne endenden Streifzug durch die Musikgeschichte.

Neben einigen Glanzstücken der Klassik wie Mozarts Divertimento in Es-Dur oder Hadyns selten gespieltem Trio für Klarinette d’amour beeindruckten besonders die Kompositionen von di Lasso und Pachelbel. Das Sonar-Quartett mit Susanne Zapf (erste Geige), Gregor Dierck (Violine), Cosima Gerhardt (Cello) und Nikolaus Schlierf (Bratsche) spielte in wechselnden Besetzungen, in denen auch der famose Klarinettist Sebastian Borsch seinen Platz fand. Die exzellente Strichtechnik des Berliner Quartetts vom dynamischen Forte bis zum einfühlsam hingehauchten Pianissimo ist hoch zu loben.

Die unglaubliche Akustik – Neubert errechnete eine Nachhallzeit von sieben Sekunden – produzierte die seltsamsten Phänomene. In manchen Passagen schien ein unsichtbares Orchester ein zeitverzögertes Echo zu produzieren, das die Kraft der Komposition deutlich potenzierte.

Bedauerlich nur, dass den Sonars der Mut fehlte, mehr Stücke wie Johanna Magdalena Beyers reizvolle »Music of Spheres« (1939) aufzuführen. Die Komposition beginnt mit einem »Löwenschrei«, den Borsch geschickt mit einer langen Reißleine und dem Resonanzboden einer Trommel erzeugte. Das waren neue, den Möglichkeiten des Raums entsprechende Töne. Die sphärisch gezogenen, geisterhaft klagenden Klänge der Streicher beeindruckten zutiefst.

Moderne Kathedrale

Als Zugabe folgte Bachs berühmtes »Air«, (BWV 1068) dessen lang angehaltene Akkorde und weit ausgreifende Kantilenen entzückten. Die herrliche Melodie verwandelte den Funkturm in eine moderne Kathedrale, in der die Musik einen Hauch der von Goethe bedichteten Sphärenklänge erahnen ließ. Das sichtlich ergriffene Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen.

Originalartikel